Ursula Bogner

FR, 24. SEPT 2021, 21:30 UHR | Theater im Pumpenhaus, Gartenstraße 123
Jan Jelinek plays Ursula Bogner / Ana Fosca / Ditterich von Euler-Donnersperg

aufabwegen: Elektronische Musik kuratiert von Till Kniola

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Jan Jelinek

Jan Jelineks Arbeiten befassen sich mit der Übersetzung von populären Musikquellen in abstrakte Texturen. Dabei kommen keine traditionellen Musikinstrumente zum Einsatz – vielmehr werden Collagen aus winzigen Klangpartikeln konstruiert. Seit 2000 veröffentlicht er sowohl unter seinem Namen als auch unter diversen Pseudonymen (u.a. Ursula Bogner). Jelinek kollaborierte mit Sven-Åke Johansson, Sarah Morris, Masayoshi Fujita und vielen anderen. 2007 gründete er mit Hanno Leichtmann und Andrew Pekler das Improvisationstrio Groupshow. Seit 2008 betreibt er das Label Faitiche als Veröffentlichungsplattform für seine eigenen Experimente, für Kollaborationen und für Werke befreundeter Musiker und seit 2012 schreibt und produziert Jelinek für den SWR experimentelle Radiostücke, die sich mit fiktionalen Identitäten und Klanglandschaften beschäftigen.

Ursula Bogner (1946–1994) war eine deutsche Pharmazeutin, Künstlerin und Musikerin. Sie nahm an Kursen mit Herbert Eimert, Gründer des Studios für elektronische Musik in Köln beim WDR teil. Begeistert von den neuen Klängen produzierte sie seit den späten 1960er Jahren im privaten Rahmen eigene Musik mit Synthesizer und nahm diese auf Tonband auf. Jan Jelinek erfuhr nur durch Zufall von der musikalischen Leidenschaft Ursula Bogners, als er vor längerer Zeit auf ihren Sohn traf. Schließlich publizierte Jelinek eine Kompilation der bislang kaum beachteten Tonbänder und -kassetten. Leider konnte Ursula Bogner an diesem Prozess nicht mehr teilhaben, da sie 1994 verstarb. Von einigen der Titel Bogners sind nur einzelne Spuren erhalten, sodass Jelinek das Originalstück durch Rekombination wiederherstellen musste. Obwohl nur ein kurzer Ausschnitt des kreativen Schaffen Bogners sichtbar gemacht wird, sind die gezeigten Werke sowohl in Form als auch Inhalt auf besondere Weise kohärent. Dieser Sinnzusammenhang spiegelt ihre zugängliche, rhythmische und manchmal „poppige“ Seite wider. Im Auswahlprozess ist jedoch auch der Einfluss Jelineks spürbar.

Jelinek bedankt sich bei der Familie, besonders bei Sebastian Bogner, für den gewährten Zugang zu den Bändern und für die wertvollen Einblicke in das Leben Ursula Bogners. „Ich hoffe, die Zuhörer empfinden das gleiche Hochgefühl, dass ich beim Entdecken der Musik von Ursula Bogner erfahren habe“ (Jan Jelinek).

www.janjelinek.com


Ana Fosca

Ana Fosca, das Sound-Projekt der dänischen Künstlerin Linn Hvid, steht ohne Zweifel für eine der mitreißendsten Seiten experimenteller Musik. Neben Auftritten in Kunstinstitutionen wagte Hvid ihre ersten musikalischen Vorstöße in der lebendigen Untergrundszene Kopenhagens. Insbesondere im Mayhem – einem der wichtigsten Spielorte für „extreme Musik“ mit seinen für die lokale Musikszene enorm wichtigen Studios – fand sich Hvid in einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten wieder. Nach frühen Auftritten im Umfeld der Noise-Szene und als langjähriger Gast des Mayhem Noise Fest trat sie schon bald im Schmelztiegel selbstorganisierter Veranstaltungsorte und temporär angeeigneter Räumlichkeiten in Dänemark, Schweden und Deutschland auf. In dieser rauschhaften Zeit formte sich Ana Fosca. Hvids Aufnahmen und Performances sind durchdrungen von einer intuitiven Direktheit, die sich aus den Erfahrungen dieser intensiven Phase nährt.

Ana Fosca lässt sich dem Noise-Genre zuordnen. Doch stimmt auch das nur bedingt: Hvids Arbeit klingt nach Death Industrial, Dark Ambient oder sogar Drone, fasziniert aber mit einem turbulenten Sog zwischen Introvertiertheit und extrovertierten Zuständen. Experimentierdrang ist Hvids Antrieb, ihr Schaffen prallt mit einer Vielzahl von Soundpraktiken und Formen elektroakustischer Musik aufeinander. Ana Fosca lässt sich als gleichzeitig atemberaubend und meditativ, dabei im Wesentlichen zart beschreiben. Intensive Dringlichkeit und schockartige Klangsynthesen können blitzartig in wispernde Klagen und erstickende Besinnung umspringen. Immer wieder tauchen Themen wie Trauer und existenzielle Zerrissenheit auf. Die schroffe Lautheit ihrer Live-Auftritte wird durch ein intensives Verlangen nach Austausch mit dem Publikum ausgeglichen.

Hvids Debütalbum SOMA erschien 2020 unter dem russischen Label Nazlo Records und erhielt große Aufmerksamkeit. Die Helen Scarsdale Agency kürte das Album zu einem der besten Releases des Jahres, außerdem wurde es von der unabhängigen experimental Musik-Site Ukośnik ausgezeichnet. Ihr Auftritt mit Sortlegeme auf dem Mayhem Noise Fest 2020/2021 wurde von Martin Breidahls als eine der besten Performances des Jahres (Passive/Aggressive) ausgewählt.

Hvid spielte kürzlich in Kollaboration mit Vanity Productions, Posh Isolation’s Christian Stadsgaard. Sie trat beim The 48HOURS Festival in Kopenhagen, ETER Festival in Lund, Schweden sowie dem Berliner Autonoma Industrial auf. 2021 performt Ana Fosca auf dem DNA Festival Kolonia Gdańsk und dem LUFF Film Festival Lausanne mit einer quadrophonen PA.

www.facebook.com/ANAFOSCA


Ditterich von Euler-Donnersperg: Ein grauer Knurrhahn und Grummelsack, der eine Schule für Honiggewinnung und Schnittblumenzucht in Alt Wrietzen im Oderbruch betreibt. Steht neben Dr. Kurt Euler, dem Vorsitzenden der Parteikommission für Volksbildung und Kulturkampf beim ZK der Kommunistischen Einheitspartei Deutschlands (KED) in dem (ungerechtfertigten?) Ruf eines im Geiste Johann Gotthilf KLOPSTOCKs, des Lehrers einer irrenden Menschheit, wirkenden, sinnenfrohen Zuchtmeisters fehlgeleiteter junger, mitunter auch alter Menschen, welche in hemmungslosen Daseinsirrtümern schwelgen und ihr Leben von dessen Ende her betrachten. Tritt seit dem Rübenwinter 1946/47 als Sachwalter des Werkbundes und des traditionsreichen Tonverlages Walter Ulbricht Schallfolien unbedingt gegen Wirrnis und verstocktes, kleinbürgerliches Schwarzsehertum auf und betreibt unter den Leitgedanken Verdunkeln! Der Feind sieht dein Licht! Beginne den Tag mit Sterben! Das „Scheitern als schöne Kunst“.

Elefantenmann

Der alte Knurrhahn knurrt und knarzt mit seinem Knarzbrettchen.

Im Jahre 1980 gründete Euler-Donnersperg die WALTER ULBRICHT SCHALLFOLIEN Hamburg, welche sich im Geiste Walter Ulbrichts, des damals meistgehaßten Menschen der Erde, des Erbauers des Berliner Antifaschistischen Schutzwalls, unbedingt der Langsamkeit verpflichtet fühlen und unter dem Leitwort NEU KONSERVATIW die ehernen Werte des klassischen „Industrials“ zu pflegen bestrebt sind (vgl. SPK: The Cathedral of Death – Die Kultur der Todesverdrängung). Bis Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts veranstaltete Euler-Donnersperg zahlreiche Auftritte mit geistverwandten Klanggestaltern, u. a. mit Illusion of Safety, Jim O’Rourke, The Hafler Trio, Bourbonese Qualk, Nocturnal Emissions, Whitehouse, Gerechtigkeitsliga, The Legendary Pink Dots, Laibach, Asmus Tietchens. Gleichzeitig geben die Walter Ulbricht Schallfolien Dokumente der Gruppen SPK, Throbbing Gristle, Laibach, John Watermann, Asmus Tietchens, The Hafler Trio, Werkbund, Mechthild von Leusch, Column One, Evapori und Hyph heraus. Im Nebenamt Sachwalter des WERKBUNDES tritt Euler-Donnersperg mit Lesungen und Klangschöpfungen eigener Werke hervor – unter anderem mit Michael von Hausswolff, Leif Ellgren, Kent Tankred, The Hafler Trio, Asmus Tietchens, Dan Burke, Organum, John Duncan. Seit 1996 jährliche Herausgabe eines Heftes der Pelzwurstlieder, Bildschallplatte im handgestalteten Portfolio, Reimdichtungen im Geiste Klopstocks mit elektronischem Zuspielband: Zustandsbeschreibung der Welt mit den Augen der Listspinne, der Trugnatter, der Assel, der Klappnase, des Stachlers.

www.facebook.com/donnersperg